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Weihrauch – einem alten Geheimnis auf der Spur

Seit Jahrtausenden wird Weihrauch in der Heilkunde eingesetzt. Betrachtet man die unterschiedlichen,  medizinischen Verwendungszwecke von Weihrauch über alle Epochen, könnte man Weihrauch beinahe als "Allheilmittel" bezeichnen.

Kein Wunder! Denn in diesen Zeiten gab es auch noch nicht die heutige Vielfalt an Medikamenten oder Gesundheitsprodukten, wie wir sie heute kennen! Man bediente sich der bekannten Heilpflanzen und vermehrte die Erkenntnisse durch Ausprobieren bzw. durch Empfehlungen und Überlieferungen.

Es fällt jedoch auf, dass gerade bei Weihrauch sehr oft von entzündlichen und chronischen Erkrankungen die Rede ist. Auf diesen Jahrtausend alten Erkenntnissen baut auch die heutige Weihrauchforschung auf. Denn die Vielzahl der Überlieferungen der einst medizinisch genutzten Anwendungen muss mehr als der reine Glaube an eine Wirkung sein.

So brachte auch Prof. Dr. H.P.T. Ammon vor ca. 20 Jahren die Weihrauchforschung in Deutschland wieder ins Rollen. Er lieferte den ersten Erklärungsversuch der entzündundungshemmenden Wirkung des Weihrauchharzes. Ammon fand heraus, dass Boswelliasäuren die 5-Lipoxygenase, einen wichtigen Botenstoff im Endzündungsprozess, hemmen können. Weiterführende Untersuchungen zeigten allerdings, dass es sich dabei nicht um den alleinigen Wirkmechanismus des Weihrauches handeln kann.

Vor kurzem entschlüsselten der Weihrauch-Wissenschaftler Prof. Dr. Oliver Werz (Universität Jena) und seine Forschungsgruppe neue, spannende Erkenntnisse über einen weiteren Wirkmechanismus des Weihrauchharzes.

Doch was ist Weihrauch eigentlich?

Der Weihrauchbaum – die verschiedenen Arten
Die Weihrauchbäume sind spärlich belaubte und knorrige Bäume oder Sträucher von meist wenig hohem Wuchs. Die Bäume wachsen wild in wüstenartigen Gegenden des afrikanischen Horns, in Südarabien sowie in Indien. Die Rinde blättert papierartig ab und der Baum bildet Blütentrauben aus, die bis zu 25 Zentimeter lang werden können.
Die Weihrauchbäume gehören in der Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae) zur Gattung der Boswellia. Es gibt ca. 25 verschiedene Boswellia-Arten, jede Art unterscheidet sich von der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe. Es gibt also nicht "den" Weihrauch, da es sich um ein natürliches Vielstoffgemisch mit den üblichen art- und standortbedingten Schwankungen handelt.

Von den 25 Arten haben nur 4 Arten wirtschaftliche bzw. medizinische Bedeutung:

  • Boswellia papyrifera (Äthiopien)
  • Boswellia sacra = Boswellia carterii (Südarabien)
  • Boswellia serrata (Indien)

Weihrauchharz – die Inhaltstoffe
Das Weihrauchharz lässt sich bezüglich seiner Zusammensetzung in die zwei Gruppen der wirksamen und unwirksamen Bestandteile aufgliedern. Zu den unwirksamen Bestandteilen ohne bedeutende pharmakologische Wirkung gehören das ätherische Öl und die Schleimstoffe.

Das ätherische Öl, welches dem Rauch seinen charakteristischen, aromatischen Duft verleiht, ist für die Räucherung, aber auch für die Parfümindustrie, von großem Interesse. Abgesehen von der für ätherische Öle typischen antibakteriellen Wirkung ist ein nennenswerter Einfluss auf die medizinische Nutzung nicht bekannt.
Die Schleimstoffe bestehen vorwiegend aus Zuckermolekülen und haben keinen nennenswerten medizinischen Nutzen, sondern sorgen für die sehr klebrigen Eigenschaften des Harzes.

Die für die heutige Forschung interessanten Bestandteile des Weihrauchs sind die Harzsäuren und die Neutralbestandteile.

Die Harzsäuren setzen sich zusammen aus sog. tetrazyklischen Triterpensäuren (Robursäuren und Tirucallensäuren) und pentazyklischen Triterpensäuren (Lupansäuren und Boswelliasäuren). Diese Säuren sind mit Ausnahme der Boswelliasäuren auch in anderen Pflanzen zu finden.

Man unterteilt die Boswelliasäuren anhand ihrer Struktur in alpha- oder beta-Boswelliasäuren, je nach Anordnung der Methyl-Seitengruppen. Daneben unterscheidet man die klassischen Boswelliasäuren (boswelllic acid = BA) noch aufgrund von Acetyl- oder Keto-Gruppen in die Acetyl-Boswelliasäure (ABA), die Acetyl-Keto-Boswelliasäure (AKBA) und die Keto-Boswelliasäure (KBA).

Die prozentuale Verteilung der einzelnen Boswelliasäuren im Harz ist von Art zu Art verschieden.

Jedoch sind die Boswelliasäuren nicht die einzigen Bestandteile im Weihrauch, die eine pharmakologische Wirkung zeigen. Sowohl die anderen Säuren, als auch die Neutralbestandteile zeigen eine pharmakologische Wirkung. Die Wirkmechanismen werden derzeit intensivst erforscht.

Was passiert bei einer Entzündung? Wo greift Weihrauch ins Entzündungsgeschehen ein?
Der sehr komplexe Vorgang der Entzündung ist ein überaus wichtiger Schutzmechanismus im Körper. Die Entzündungsreaktion des Körpers ist eine Antwort auf äußere oder innere Reize, die potentiell schädlich für den Körper sind. Bei einer Entzündung, die beispielsweise von Mikroorganismen ausgelöst wird, erkennen Rezeptoren auf Immunzellen (z.B. Makrophagen) Strukturen auf der Organismus-Oberfläche als "fremd" und "schädlich" an.
Dadurch werden vom Körper Botenstoffe (u.a. Zytokine) ausgeschüttet, diese Botenstoffe regen Zellen des Immunsystems zur Zellteilung an, aktivieren sie oder locken sie an.

Der Körper reagiert auf die Zytokinausschüttung, indem sich die Blutgefäße weiten und durchlässiger werden. Dadurch gelangen die angelockten Zellen besser zum Gewebe. Diese körpereigenen Zellen können die Erreger umschließen und abtöten.

Bei vielen Erkrankungen läuft die Entzündungsreaktion jedoch aus dem Ruder, es kommt zu chronischen Entzündungen die nicht mehr als Schutzmechanismus des Körpers angesehen werden können. Diese chronischen Entzündungen gehen mit andauernden Schmerzen und Gewebsveränderungen einher und reduzieren die Lebensqualität der Betroffenen deutlich.

Die aktuelle Forschung hat das Ziel, die genauen molekularen Mechanismen der Entzündungsreaktion aufzuklären. In den 90ern fand man einen neuen Angriffspunkt, in den viel Hoffnung gesetzt wird, da man sich verspricht, dadurch Entzündungen verhindern zu können oder abzuschwächen – ohne die bisher bekannten Nebenwirkungen vieler antientzündlicher Wirkstoffe in Kauf nehmen zu müssen.

Um die Vorgänge einer Entzündung besser verstehen zu können, muss man sich erst mal genauer damit befassen, welche Prozesse dabei in der Zelle ablaufen.

In der Zellmembran ist Arachidonsäure enthalten, die durch ein Enzym – die cytosolische Phospholipase A2 (cPLA2) – aus der Zellmembran herausgelöst werden kann. Die so freigesetzte Arachidonsäure kann von verschiedenen Enzymen verstoffwechselt werden. Unter anderem geschieht dies durch die 5-Lipoxygenase, wodurch Leukotriene entstehen, die pro-inflammatorisch (entzündungsfördernd) wirken. Es ist bekannt, das Boswelliasäuren die 5-Lipoxygenase hemmen können.

Ein weiterer Weg die Arachidonsäure zu verstoffwechseln ist über die Enzyme Cyclooxygenase-1
und -2 (COX-1 und COX-2) möglich. Wobei COX-1 eher Prostaglandine produziert, die für die physiologischen Funktionen im Körper verantwortlich sind, bildet COX-2, die induzierbare Form der Cyclooxygenase, Prostaglandine, die vor allem für Entzündung, Schmerz und Fieber verantwortlich sind.

Die Cyclooxygenasen verstoffwechseln die Arachidonsäure zu Prostaglandin H2 (PGH2), dieses ist das Ausgangsprodukt für weitere Enzyme. Die Prostaglandin E2-Synthasen bilden aus PGH2 Prostaglandin E2 (PGE2). Es sind drei Prostaglandin E2 Synthasen bekannt, unter anderem die mikrosomale Prostaglandin E2 Synthase-1 (mPGES-1).

Die mPGES-1 spielt eine bedeutende Rolle in den pathophysiologischen Entzündungsprozessen. Die beiden anderen Prostaglandin E2 Synthasen (mikrosomale Prostaglandin E2 Synthase-2 (mPGES-2) und cytosolische Prostaglandin E2 Synthase (cPGES)) werden konstitutiv exprimiert und sind vor allem für die Funktionen der basalen PGE2-Produktion verantwortlich.

Dadurch kann die mPGES-1 ein Schlüsselenzym sein, mit dessen Hilfe man die Entzündung verhindern oder abschwächen kann, ohne die physiologischen Funktionen, die PGE2 eben auch hat, zu beeinflussen, da man das hierfür nötige Level durch die Enzyme mPGES-2 und cPGES erreicht.

PGE2 ist eines der wichtigsten Prostaglandine im Zusammenhang mit Entzündung, Fieber und Schmerz. Es spielt außerdem eine Rolle bei Funktionen und Regulationen der Niere und der Nerven, beim Schutz der Magenschleimhaut und bei der Tumorentstehung.

Bekannte NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Indomethacin, Ibuprofen oder Diclofenac hemmen die Cyclooxygenasen und wirken dadurch entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend. Ein großes Problem bei dieser Wirkstoffklasse sind jedoch die Nebenwirkungen (z.B. Magen-Darm-Blutungen), da sie beide Cyclooxygenase hemmen, können auch keine Prostaglandine mehr gebildet werden, die für die physiologischen Funktionen notwendig sind.

Daraufhin wurden Stoffe entwickelt die nur die COX-2 hemmen (Coxibe), die Magen-Darm-Blutungen wurden zwar deutlich gesenkt, jedoch kam es zu einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko, daher wurden manche dieser Medikamente wieder vom Markt genommen.

Ein neuer Ansatz ist daher die mPGES-1 zu hemmen, man erhofft sich dadurch die Nebenwirkungen zu minimieren, da die mPGES-1 erst in einem relativ späten Stadium des Entzündungsgeschehens eine Rolle spielt und man damit die Cyclooxygenasen nicht beeinflusst, sodass diese Prostaglandine bilden können, die für die physiologischen Funktionen im Körper notwendig sind.

In neuesten Studien fand man heraus, dass Boswelliasäuren die mPGES-1 hemmen können. Diese Ergebnisse wurden sowohl in vitro als auch schon bei ersten Tiermodellen nachgewiesen.

Weihrauch-Zubereitungen werden schon seit mehreren Jahrtausenden bei entzündlichen Erkrankungen eingesetzt. Man weiß, dass sie gut verträglich sind und kaum Nebenwirkungen haben.

Bis heute ist Weihrauch jedoch nur ein Nischenprodukt und viele wissen nichts von der Wirkung die Weihrauch nachweislich hat.

Der genaue Wirkmechanismus, der dem Weihrauch-Harz zugrunde liegt, ist bisher noch nicht vollständig aufgeklärt. Man weiß, dass verschiedene Enzyme, die im Entzüngungsgeschehen beteiligt sind, gehemmt werden können. Allerdings werden auch manche anderen Enzyme von bestimmten Bestandteilen des Weihrauch-Harzes aktiviert, die die Entzündungsreaktion steigern können. Diese können nur durch ein entsprechend selektives Extraktionsverfahren aussortiert werden. Da das Weihrauch-Harz ein Vielstoffgemisch ist, macht es die Erforschung der Wirkmechanismen so schwierig, jedoch weiß man aus Erfahrung, dass Weihrauch entzündungshemmend wirkt, aber es wird noch einige Zeit dauern bis alle Wirkmechanismen geklärt sind.

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